Wellnessium Buch-Empfehlungen

Fleisch

Infos:

Autor: Philip J. Farmer
Verlag: Area
Seiten: 511 Seiten
Typ: Gebundene Ausgabe
erschienen: 2005-03-01
Auflage:
ISBN: ISBN-3899964373
Bewertung:

Der Sammelband enthält die drei Romane Die Verkörperung des Bösen (The Image of the Beast), Außer Atem (Blown) und Fleisch (Flesh). Der Sammelband stellt einen zusammengehörigen "Exorzismus" dar, der mit den drei Büchern in drei "Ritualen" ausgeführt wird. Man fragt sich allerdings, was denn hier exorziert werden soll.

Nach der Liberalisierung der amerikanischen Zensurgesetze Ende der 60er Jahre gab der Verlag Essex House, der sonst Pornos veröffentlichte, Farmer den Auftrag, drei erotische Fantasy-Romane zu schreiben. Der erste gelieferte Roman, The Image of the Beast (1968), ist eine wirkungsvolle Parodie auf die Detektivgeschichten und Schauermärchen seiner Zeit. Blown: Or Sketches among the Ruins of my Mind (1969) ist die obligatorische Fortsetzung dazu, zeitlich ein Jahr später angesiedelt. Beide wurden 1979 zusammengelegt und in einem Band herausgegeben. Das dritte Exorzismus-Buch, Traitor to the Living (1973), wurde nicht von Essex House veröffentlicht. Vielmehr wurde der Vertrag mit Essex House durch die Lieferung von A Feast Unknown: Volume IX of the Memoirs of Lord Grandrith (1969) erfüllt. Der Essex-Deal half Farmer dabei, wieder Vollzeitschriftsteller zu werden -- das erste Mal seit 1961, seit der Veröffentlichung von The Lovers und dessen Fortsetzung Timestop (Story 1960 als A Woman a Day, als Buch 1968/1970).

Wie man sieht, ist Flesh nicht im originalen "Exorzismus" enthalten! Es erschien in Deutschland zuerst in einer stark gekürzten Fassung 1971 unter dem Titel Der Sonnenheld bei Heyne, übersetzt von Birgit Reß-Bohusch. Diese Fassung wird dem Original keineswegs gerecht.

Handlungen:

Image of the Beast
Los Angeles leidet seit Tagen unter Smog; er ist so übel, daß kaum etwas zu sehen ist, wenn man eines der wenigen erlaubten Autos fährt, z.B. als Detektiv Herald Childe. Durch seine Kontakte bei der Polizei bekommt er einen Film vorgeführt, in dem einem Polizisten das Geschlechtsteil abgebissen wird. Ein Dracula-Typ tut sich ebenfalls an ihm gütlich. Es gibt weitere Opfer, so etwa einen reichen Geschäftsmann. Childe soll diesen Fall klären.

Er recherchiert bei einem Horrorfan namens Woolston Q. Heepish (er taucht auch in Blown wieder auf). Der Tip führt zu Barons Igescus gut bewachter und weitläufiger Villa in Beverly Hills, in der eine tote Mexikanerin spukt. Außerdem gibt es Werwölfe und andere Gestaltwandler. Baron Igescu ist bereit, ein Interview zu geben, doch Childe wird ein Opfer der sexuellen Gelüste der Hausbewohner, zum Beispiel des Gespenstes. Igescu erklärt, daß die Gestaltwandler ursprünglich aus einer anderen Dimension bzw. Parallelwelt kommen und auf Erden eine ihnen genehme Form angenommen haben. Childe treibt es mit mehreren Bewohnern, bringt einige davon um -- darunter Igescu -- und setzt die Villa in Brand. Auf der Flucht bemerkt er drei schwarzgekleidete Männer, die zur Villa fahren. Der Smog verschwindet.

Blown
Es regnet seit Tagen in L.A. -- Überschwemmungen und Erdrutsche sind an der Tagesordnung. Die drei schwarzgekleideten Männer stellen sich Childe als Angehörige einer mit Igescus Leuten konkurrierenden Alienspezies, der Toc, vor, die ebenfalls erdübliche Körper akquiriert haben. Childe ist mittlerweile Student an der Uni. Als seine verschwundene Ex-Frau Sybil wieder auftaucht, wird er mißtrauisch. Sie stellt sich als Angehörige der Toc heraus, als Childe von den Gegnern der Toc entführt und mit Sybil zusammengesperrt wird.

In der Zwischenzeit vermißt der berühmte amerikanische Sammler von SF- und Fantasy-Memorabilien Forrest J (ohne Punkt) Ackerman sein neu erstandenes Dracula-Porträt. Er findet es in der Nachbarschaft bei seinem Konkurrenten Woolston Q. Heepish, bei dem sich ein paar Außerirdische einquartiert zu haben scheinen. Forry schließt sich den Toc an und unternimmt mit ihnen einen Überfall auf das Hauptquartier des Gegners. Er kommt genau rechtzeitig, um die Hauptzeremonie zu stören, in deren Verlauf Herald Childe, ein Alienabkömmling, wie sich herausstellt, den Gral wiederherstellen soll, mit dessen Hilfe die Aliens wieder nach Hause kommen. Doch auch die Toc wollen den Gral. Chaos entsteht, als ein Erdrutsch das Haus wegreißt. Forry und Childe überleben, aber der Gral ist unter Tonnen von Schlamm begraben. Dumm gelaufen!

Flesh
Jeder kennt das Szenario von Planet der Affen: Eine Raumschiffcrew kehrt nach Hunderten von Jahren der Raumerkundung zu einer völlig veränderten Erde zurück. So auch hier. Nach 800 relativen Jahren kehrt Peter Bock (Stagg im Original; engl. stag: männl. Hirsch) an die amerikanische Ostküste zurück. Nach einer Reihe von globalen Katastrophen, die nur wenige Völker überlebt haben, ist die meiste Hochtechnologie verlorengegangen, aber Biotechnik funktioniert gut, zum Beispiel in der Medizin.

Antike Fruchtbarkeitsriten wurden eingerichtet, um das Bevölkerungswachstum anzukurbeln. Die Große Weiße Mutter Columbia (eine satirische Anspielung auf den "Großen Weißen Vater" der Indianer, der in Washington regiert) setzt jedes halbe Jahr einen "Sonnenhelden" ein, der auf einer Tour durch das Territorium von "Dici" (= D.C.) zahlreiche Jungfrauen zu schwängern hat. Die Staatsreligion ist in der weiblichen Priesterschaft und ihren Unterorganisationen sowie in den Totem-Stämmen für die Männer organisiert. Unfruchtbaren Frauen -- sie sind demzufolge besonders unglücklich -- stehen entsprechende Tempel zur Verfügung, wo sie versuchen können, von den männlichen Besuchern schwanger zu werden.

Durch ein ihm aufgepflanztes Geweih wird Peter Bock zu einem wahren Sexprotz. Leider kann er nicht damit, selbst wenn er es wollte, da die Hormone, die das neue Geweih produziert, ihn zu höchster Geilheit zwingen. Am Ende seiner Tour soll er der Todesgöttin geopfert werden, erfährt er. Er macht sich aus dem Staub und wird entführt.

In der Zwischenzeit heiratet Churchill, einer seiner Offiziere, die Tochter eines erfolgreichen Dici-Geschäftsmanns. Seine ironische Belohnung: Er soll Schweinezüchter werden. Auf dem Flitterwochenausflug wird er Opfer von Piraten aus Karelien; deren Chef kann er aber überlisten, so daß er sein Raumschiff wiederbekommt, seine Kameraden befreien und den entführten und umgekommenen Peter Bock wiederbeleben und mitnehmen kann. Die Crew fliegt weiter, mitsamt der neu -- mehr oder weniger freiwillig -- gewonnenen Frauen.

Leider hat es der fundamentalistisch eingestellte Christ Sarval aus Bocks Mannschaft nicht geschafft, mit dem Dici-System zurechtzukommen: Seine Bekehrungsversuche zur Keuschheit waren nicht gerade willkommen, die Einwohner knüpften ihn kurzerhand an einem Laternenpfahl auf. Im "Nachspiel" treten die drei Hexen aus Shakespeares Macbeth auf: die Jungfrau, die Matrone und die Todesgöttin/Hexe. Offensichtlich sind es ihre Organisationen, die das Schicksal der neuen Männer bestimmen werden.

Fazit:

Während sich die Sexszenen in den ersten zwei Romanen in Ausführlichkeit und Deutlichkeit, wenn auch nicht in Häufigkeit gefallen, so gibt es sie in Flesh praktisch nicht. Peter Bock und seinen Mannen legen sich vielmehr zahlreiche Hindernisse in den Weg, bevor sie ihrer Lust frönen könnten: Moralische Tabus ebenso wie wildgewordene Baseballspieler.

Farmer hat in den zwei ersten satirischen Romanen Detektive, SF-Sammler, Schauermärchen und Gralsuchende auf die Schippe genommen. Selbst erotische Frauen fallen auseinander, wenn Childe ihnen zu nahe kommt. In Flesh attackiert er dann den heiligen Nationalsport Amerikas: Baseball. Er zeigt, wie unglücklich sich die Umstände für die christlichen Fundamentalisten ändern können. Das Kapitol, die Hochburg der Priesterinnen, weist nun zwei busenförmige Kuppeln auf -- eine Entweihung der Hauptstadt der Nation. Dreimal darf man fragen, welche Form der Obelisk des Washington-Monuments hat. Daß in den Straßen barbusige, aber verschleierte Frauen auftauchen, reißt den an moderne Kost gewöhnten Leser nicht mehr vom Hocker.

Sicherlich sind die drei Romane Geschmackssache, und der ändert sich erstens von Mensch zu Mensch und zweitens von Epoche zu Epoche. Pornographie sind sie nach heutiger Definition nicht, eher schon Science-Fantasy mit einem satirischen Rundumschlag auf liebgewordene Klischees und SF, Fantasy, Sexualität und amerikanischen Nationalismus.

Daß in Blown ein real existierender Mensch und vor allem ein real existierender SF-Fan, der große Forrest J (ohne Punkt) Ackerman, als Romanfigur benutzt wird, ist ein sehr seltenes Vorkommnis im Genre. "Forry", der ja veräppelt wird, war auch dementsprechend sauer. --Michael Matzer

 


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